Mit Blick auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg, bei der erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen dürfen, saßen Vertreter aller größeren Parteien auf dem Podium: Peter Seimer (Grüne), Hans Dieter Scheerer (FDP), Farina Semler (SPD), Thomas Walz (Die Linke), Albrecht Stickel (CDU) und Andreas Auer (AfD). Moderiert wurde die Veranstaltung von Friederike Kocher und Aaron Ludwig, die die Diskussion strukturiert und souverän lenkten.

In drei Themenblöcken ging es um Bildung, soziale Gerechtigkeit und mentale Gesundheit. Vor allem letzteres Thema sorgte für spürbare Spannung. FDP, CDU und AfD betonten, Leistungsdruck gehöre zum Schulalltag und sei notwendig für persönliche Entwicklung. Zu viel Rücksichtnahme, so der Tenor, könne Jugendliche eher schwächen als stärken. Als Lösungsansatz wurde unter anderem eine stärkere Differenzierung nach Leistungsniveaus genannt.
Deutlich widersprachen Grüne, SPD und Linke. Sie forderten, psychische Belastungen ernst zu nehmen und Schulen stärker in die Verantwortung zu nehmen. Leistungsanforderungen müssten überprüft, Unterstützungsangebote ausgebaut werden. Grünen-Vertreter Peter Seimer verwies auf die langfristigen Folgen unbehandelter psychischer Erkrankungen.
Für hörbares Unverständnis sorgte dagegen ein Beitrag von AfD-Vertreter Andreas Auer. Er bezeichnete Leistungsdruck als grundsätzlich unproblematisch und stellte mentale Gesundheit vor allem als individuelle Aufgabe dar.
Auch die Diskussion um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht stieß auf großes Interesse. SPD-Vertreterin Farina Semler sprach sich gegen einen verpflichtenden Dienst für Frauen aus, solange diese gesellschaftlich nicht gleichgestellt seien. CDU-Politiker Albrecht Stickel brachte stattdessen ein verpflichtendes gesellschaftliches Jahr ins Spiel. Die Grünen plädierten für einen freiwilligen Wehrdienst mit verbindlichen Elementen, während Die Linke jede Form der Pflicht kategorisch ablehnte und auf ihre pazifistische Grundhaltung verwies.
Die Veranstaltung endete mit Applaus und vielen offenen Gesprächen im Anschluss. Für die Jugendlichen war die Veranstaltung mehr als eine Informationsveranstaltung: Sie zeigte, wie unterschiedlich Politik auf dieselben Fragen antwortet – und wie sehr diese Antworten den eigenen Alltag betreffen.
Friederike Kocher, Aaron Ludwig und Nadia Jargstorff



